„10 Prozent Inspiration und 90 Prozent Handwerk – das sind die Zutaten zum erfolgreichen Schreiben“, sagte meine Dozentin in einem Seminar an der Uni. Und dieser Satz hat Welten in mir bewegt! Zuvor glaubte ich, entweder jemand kann kreativ und fesselnd schreiben, oder eher nicht. Im Laufe der darauffolgenden Jahre habe ich oft an die Worte meiner Dozentin gedacht. Sie hatte recht. Wie in allen anderen Künsten ist Schreiben in erster Linie eine Übung und jeder hat die Fähigkeit, die Kreativität in sich auszubilden. In diesem Blogbeitrag erzähle ich dir wie du dein kreatives Schreiben verbessern kannst.

Was ist Kreativität eigentlich?

Kreativität bedeutet vor allem schöpferisch tätig zu sein. Das heißt, aus bekannten Erfahrungen, Neues und Außergewöhnliches zu formen. Es ist in erster Linie eine Kombination. Kreativität wird in den unterschiedlichsten Bereichen verwendet und ist der entscheidende Faktor für außergewöhnliche Ergebnisse. Ob in der Wissenschaft oder Kunst, Politik oder Wirtschaft. Sie hat in jedem Bereich ihre eigenen Formen und Möglichkeiten. Kreativ schreiben ist daher, mit Hilfe der eigenen Fantasie, Vorstellung und Lebenserfahrung außergewöhnliche Sätze und neue Sprachbilder zu bilden.

Gute Ideen kommen unerwartet

Erstaunt bin ich über die Tatsache, wie interessante Einfälle oder Sprachbilder unerwartet an außergewöhnlichsten Orten und Zeiten in unseren Gedanken entstehen. Wenn wir in Tätigkeiten versinken, die nichts mit dem Schreiben zu tun haben, z. B. während einer Unterhaltung, beim Kochen, Fahrrad fahren oder beim Spazierengehen, auf einer Kunstausstellung oder auf einem Konzert.

Wenn wir von unserem Alltag gelöst sind, entstehen Wunder in unseren Gedanken.

Daher scheint innerliche Freiheit wichtig zu sein für Kreativität. Und es ist möglich dieses Gefühl der Freiheit gezielt in sich zu beleben. Finde Orte, Zeiträume, Menschen, die dich inspirieren und tauche in eine andere Welt ein, in der du am kreativsten bist. Auch beim Schreiben hat die Kreativität unterschiedlich Formen. Manchmal ist es am Schreibtisch, ein anderes Mal beim Spazieren im Park. Nicht umsonst war Hemingway oft Spazieren im Jardin du Luxembourg, um sich von seinen Sorgen des Alltags abzulenken und sich fürs Schreiben zu inspirieren.

Lass dich inspirieren

Außerdem ist mir in den vergangenen Monaten aufgefallen, dass Schreiben ein Lebensstil ist. Eine Art und Weise die Welt zu betrachten und aus diesem Grund spielt Inspiration eine entscheidende Rolle beim kreativen Schreiben. Die Inspiration ist eine Eingebung, es ist der Ausgangspunkt künstlerischer Kreativität.

Welche Orte inspirieren dich? Ist es die Natur oder das turbulente Stadtleben oder der Kontrast aus beidem?

Die Kaffeehausliteraten lassen sich von dem anregenden Ambiente des Treibens im Café inspirieren, indem sie zurückgezogen und anonym im öffentlichen Raum schreiben. Andere brauchen die vertrauten, eigenen vier Wände, um zu schreiben. Welcher Schreib-Typ bist du?

Inspiration wirkt von außen auf uns. So erschaffen wir auf kreative Art und Weise mit Worten neue Welten auf Papier, indem wir ein Gefühl einfangen. Daher ist es wichtig, sich selbst gut kennenzulernen. Ein Notizbuch bei sich zu tragen, ist immer hilfreich, für spontane Einfälle, die du dir gleich notieren kannst. Später könnten daraus gute Texte entstehen, das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Schreiben ist eine Gewohnheit

Die wichtigste Komponente ist die Regelmäßigkeit. Wenn du kreatives Schreiben üben möchtest, ist es gut, dir das Schreiben zur Gewohnheit zu machen. Fange langsam an und steigere dich mehr in der Intensität und Dauer deiner Arbeits- und Schreibzeit. Beim Schreiben gibt es weder einen Anfang, noch ein Ende. Wir sind auf der Suche, nach dem Besonderen, nach dem Neuen, nach einer Idee und jeder Tag bringt dir neue Ideen, wenn du deine Aufmerksamkeit darauf richtest. Eine bestimmte Szene braucht ein paar mehr Tage, bis du dich in das Gefühl hineinlebst, um es präzise genug zu schildern. Schreiben ist eine Übung und Regelmäßigkeit führt dich zum Ziel, daher nicht so schnell aufgeben.

Schreiben bedeutet innerlich zu wachsen

Noch ein Tipp, welcher sich mir über mehrere Jahre erst erschlossen hat: Schreiben heißt innerlich zu wachsen; ähnlich einer Blume, die regelmäßig gegossen werden muss, damit sie wächst. Oft ist es kontraproduktiv sich zum Schreiben zu zwingen. Es ist frustrierend. Es gibt diese Tage, an welchen du nicht Schreiben möchtest oder nicht schreiben kannst, du fühlst dich ausgelaugt und matt. Das ist normal, das ist das Leben. Besser ist es, sich auf das Schreiben mental vorzubereiten. Sammle Ideen, die du dir sorgfältig notierst. Aus diesem Grund, ist Kreativität ein lebenslanger Prozess und es ist gut, sich bei dem jeweiligen Projekt genügend Zeit einzuplanen, um ohne Druck zu schreiben und genügend Raum für Pausen, Inspiration, Arbeit und vor allem Leben zu finden.

Fazit: Kreativität kannst du üben

Wie du siehst, ist Kreativität ein spannendes und umfassendes Thema, weil es viele Facetten und Eigenheiten hat. Und: Schreiben bedeutet immerwährende Übung. Kreativität ist die Fähigkeit aus bekannten Erfahrungen, neue Sprachbilder zu kombinieren, mit Worten neue Welten zu erschaffen, mit unserer eigenen Fantasie. Wenn wir uns selbst kennen, wissen wir, wo und wann, wir kreativ werden. Ein bekannter Schriftsteller hat es originell formuliert, indem er allen jungen angehenden SchriftstellerInnen riet, zuerst die Welt wahrzunehmen und zu versuchen, sie mit Sprache zu gestalten und eine andere Wirklichkeit zu erschaffen, die nicht einfach auf Papier steht, sondern, die lebendig wird. Der Schriftsteller hieß Günther Grass.

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Schuana Amirova Storyvents

Schuana Amirova (geb. 1993 in Russland) ist eine Dichterin, Musikerin und Bloggerin. Neben der beruflichen Ausbildung zur Klavierlehrerin, hat sie Germanistik und Philosophie im Bachelor an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München studiert. Neben dem Schreiben und Bloggen erteilt sie Klavierunterricht an Kinder und junge Erwachsene und arbeitet gerade an ihrem zweiten Buch.