Ein guter Schreibstil möchte geübt und erprobt werden. Eine Romanidee ploppt wie eine Push-Message in deinen Gedanken auf und möchte an die Oberfläche dringen. Geschichten mit Daseinsberechtigung, die mit jeder Sekunde und jedem Bild in deinem Kopf wachsen und zum Leben erwachen. Als Autor kennst du es sicher, eine deiner Geschichten heranwachsen zu sehen, den Protagonisten und Handlungssträngen bei der Entwicklung zuzusehen. Bestimmt kennst du es, mit dem Herzen bei den ProtagonistInnen zu sein, sie mit ausdrucksvollem Charakter auszustatten und somit lebhafte Figuren zu erschaffen. Die eigene Geschichte möchte geschrieben werden – und das geht oft mit einem großen, eigenen Anspruch einher. Wie gelingt es dir, deinen Stil zu verfeinern, ohne tagelang an einem Kapitel herumschreiben zu müssen? 

Schreibstil Curly Sue Glander Happy Writing

Kenne dein Warum: Wo versteckt sich deine Vision?

Was steckt hinter deinem Wunsch, den Schreibstil zu verfeinern und somit anspruchsvoller zu schreiben? Wer wird am Ende des Tages deine Texte lesen? Wird es ein Blog mit überschaubarer Community sein, für den du täglich Schreib-Updates lieferst? Oder ist dein Ziel konkreter, ernster, festgelegt? Möchtest du täglich Schreiben, hart daran arbeiten, deinen Schreibstil zu perfektionieren? Was ist dein Warum? Die Kurzgeschichte zu einem Roman auszuarbeiten? Den NaNoWriMo schaffen oder mit Routinen den Bestseller-Erfolg erleben? Formuliere Ziele, die realistisch sind und gleichzeitig Träume zu lassen.

Schreibratgeber oder Learning by doing

Probier’s mir Trial and Error. Wie lernst du am besten? Vielleicht kennst du es noch aus Schule und Studium: Herauszufinden, welcher Lerntyp du bist, ist wichtig. Besonders, wenn es darum geht, zu planen, was zu tun ist. Doch auch wenn du einen Schreibratgeber nach dem anderen verschlingst, wirst du nicht drum herumkommen, Gelerntes anzuwenden und auszuprobieren. Learning by doing ist kein veraltetes Lernkonzept, sondern eines, das sich bewährt hat – und immer noch bedeutend ist. Wichtig ist hier die Beständigkeit. Nur wer regelmäßig schreibt, gibt sich die Chance, zu üben und das gesammelte Know-how anzuwenden.

Alltäglich üben – muss das sein?

Es kann in der Theorie einfach klingen, doch ist in der Praxis meist schwer umzusetzen: Jeden Tag übern. Je öfter und intensiver du dich mit etwas beschäftigst, desto schneller perfektionierst du deine Fähigkeiten. Daher ist jede Frage danach, wie lange ein Anfänger braucht, um Pro zu werden, überflüssig. Es wird so lange keine Antwort auf die Frage geben, so lange du nicht weißt, wie intensiv du dich mit der Übung auseinandersetzen wirst.

Bad Writing: Die Kunst, auch mal schlecht zu schreiben 

Kennst du das? Heute fühlst du dich, als könntest du hundert Romane auf einmal schreiben und am nächsten Tag bringst du nicht einmal einen Satz hervor. Das, was die meisten jetzt tun würden, ist pausieren, warten und stagnieren. Doch worauf wartest du? In der vermeintlichen Phase einer „Schreibblockade“ ist Aufstehen angesagt: Einfach weiterschreiben. Verbanne den Gedanken, deine Worte wären es in unkreativen Momenten nicht wert, auf Papier gebracht zu werden. Gönne dir ein paar Seiten bewusstes Schlecht-Schreiben und beobachte, was diese Übung mit dir macht.

Danach kann der Bullshit-Text auch gelöscht oder überarbeitet werden – was hast du schon zu verlieren? Zeit – klar. Doch du wirst sehen, dass du neue Kreativität und eine wertvolle Erfahrung aus deiner Bad Writing Übung mitnehmen kannst.

Fokus: Wie schreibst du?

Beobachte deine Schreibgewohnheiten. Wie verhältst du dich? Wann kannst du am schnellsten Schreiben, wann am Produktivsten? Wirst du zum Beispiel oft von Schreibblockaden überfallen, wird es schwierig, einen einheitlichen Schreibstil in deinem Roman fließen zu lassen. Du entwickelst dich – und mit deiner Entwicklung wächst und verändert sich auch dein Schreibstil. Dein Schreibstil verändert sich nicht nur in Schreibphasen und auf dem Papier innerhalb der Worte, die du verwendest. Er kann sich auch im Alltag verändern und definieren – wächst mit dir, statt neben dir. Manchmal reichen neue Inspirationen oder ein gutes Buch, um deinen Schreibstil minimal zu verändern.

Wie viel schreibst du? Ist das Schreiben bereits fester Bestandteil deines Alltags und so unabdingbar wie Zähneputzen?  Hast du eine feste Schreibstruktur, die dir in deiner täglichen Routine hilft – Wie gehst du vor? Am besten machst du dir hierzu Notizen und tauscht dich mit anderen aus.

Versuche, deinen Schreibstil in Worte zu fassen. Du hast einen „Schreib-Charakter“, den du genauso kennenlernen kannst, wie du deine Mitmenschen als Person kennenlernst. Dein Schreibstil kann ganz unterschiedliche Züge haben – die von deiner Stimmung abhängen oder von einem bestimmten Gefühl ausgehen. Welches ist es und wie triggerst du einen bestimmten Schreibstil?

Stilmittel-Werkstatt: Mit Tools an deinen Schreibstil herantreten

Schreibstile im belletristischen Schreiben innerhalb eines Genres lassen sich manchmal schwer voneinander abgrenzen. Wichtig ist jedoch zu erkennen, dass für Fantasy ganz andere Schreibstilregeln herrschen als für historische Romane. Und auch wissenschaftliches Schreiben verläuft um Meilen anders, als journalistisches oder kreatives Schreiben. Solltest du allerdings Schwierigkeiten haben, Schreibstile innerhalb der belletristischen Literatur voneinander zu unterscheiden, könntest du verschiedene Bücher zur Hand nehmen und besonders gelungene Sätze, Worte und Zitate markieren. Anschließend legst du die Sätze nebeneinander und vergleichst. Welche Stimmung rufen die einzelnen Passagen hervor? Welche Adjektive, Beschreibungen und welche Wortwahl wurden verwendet? In welcher Perspektive hat der Autor geschrieben? Für welche Stilmittel ist der Autor bekannt?

Gibt es einen bestimmten Autor, den du besonders gern liest, der Passagen, Beschreibungen und Gefühle gelungen an den Leser bringt? Schau dir diesen Autor genau an und nimm ihn mit allem, was es von ihm zu hören und zu lesen gibt, unter deine analytische Lupe. Worauf fokussiert er sich in seinen Texten? Was sind Inhalte, die für seinen Schreibstil von großer Bedeutung sind? Welche Tools verwendet er, um den Leser zu erreichen? Versuche, die Texte deines Lieblingsautors nicht mit den Augen eines Lesers, sondern mit den Augen eines Wort-Analytikers zu lesen.

Dein Schreibstil, deine Stilmittel-Box: Hast du herausgefunden, was dir im Text gefällt, kannst du dich heranwagen, bestimmte Stilmittel in deinen Text oder Roman zu implementieren. Was nutzt du, um die Gefühle, Stimmungen und Aussagen deines Textes an die Oberfläche dringen zu lassen? Cliffhanger, Plot-Twists, Figuren, die Klischees brechen, Charaktere mit ungewöhnlichen Eigenschaften, Wortneuschöpfungen oder Anglizismen? Schreibe dir auf, was du gern nutzen möchtest und erschaffe so deine persönliche Stilmittel-Box – Ein Dokument wie eine Liste, welche all deine Stilmittel-Tools zum Schreiben enthält.

Fazit: Mit Übung zum Profi

Du kannst deine Schreibfähigkeit trainieren wie einen Muskel. Die Übungen sind Hinweise, mit denen du dein Schreibstil verfeinern kannst – Tools mit denen du arbeiten kannst, aber nicht musst. Der Schreibcharakter eines Autors ist unterschiedlich: So viele Genres und Schreibstile es gibt, so viele Möglichkeiten gibt es auch, den eigenen Schreibstil zu verfeinern. Das Wichtigste dabei ist jedoch, dranzubleiben.

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Curly Sue Glander - Storyvents Autor

Curly Sue Glander schreibt als Journalistin und Roman-Autorin über Kreatives & Künstlerisches, Persönlichkeitsentwicklung, Popkultur, Lebensstil, Positivity und Business. Schwerpunkt ihres Studiums der Kulturanthropologie und Philosophie bildet Medienforschung, Literatur und Gender Studies. Alles in allem: Bunt und lebenspositiv – mit Liebe im Herzen und Willenskraft im Kopf.