Jeder Autor kennt sie, jeder fürchtet sie: die Schreibblockade. So etwas wie die böse Stiefmutter des Autorendaseins. Bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Gibt es sie wirklich oder ist das an den Haaren herbeigezogen? Eine faule Ausrede, um die verplemperten Stunden auf Pinterest zu rechtfertigen?

Schreibblockade – Was ist das überhaupt?

Zuerst wollen wir klären, was das überhaupt ist, diese blöde Schreibblockade. Kann man es vielleicht mit einem blockierten Nerv im Rücken vergleichen? Oder gleicht es eher einer Verstopfung in der rechten Hirnhälfte? Jeder Autor oder auch Kreative hat es bestimmt schon mindestens einmal erlebt: Er möchte etwas erschaffen, aber im Gehirn herrscht gähnende Leere oder man möchte ein Werk vollenden, weiß aber plötzlich nicht mehr weiter. Die Schreibblockade hat es sogar mit einem eigenen Artikel auf Wikipedia geschafft. Dort heißt es: „Eine Schreibblockade (auch Schreibstau und unter dem englischen Begriff ‚Writer’s Block‘), ist ein psychisches Phänomen, bei dessen Auftreten die Autoren dauerhaft oder vorübergehend nicht in der Lage sind, zu schreiben. Sie kann als Spezialfall der Kreativitäsblockade gesehen werden. Darunter leiden besonders Schriftsteller, Journalisten und Studierende beim Schreiben von Haus- und Examensarbeiten.“

Wie entsteht die Schreibblockade?

Schreibblockade Wahrheit oder Mythos Storyvents LiteraturagenturJa, die Frage stellt sich wahrscheinlich jeder, spätestens, wenn er von dieser berüchtigten kreativen Krise betroffen ist. Ich persönlich habe die Erfahrung bei den zwei folgenden Szenarien gemacht:

  1. Druck – Sei es Zeitdruck oder der plötzliche Druck, kreativ sein zu müssen. Oftmals habe ich diesen Druck bei Ausschreibungen für Kurzgeschichten erlebt. Meistens wird ein bestimmtes Thema vorgegeben. Bei manchen schlägt die Idee für eine Geschichte wie ein Blitz ein, bei anderen lässt sie ewig auf sich warten. Ich habe mich unter Druck gesetzt, weil ich unbedingt eine Geschichte darüber schreiben wollte. Aber meine Kreativität packte kurzerhand ihre Sachen und zog für unbestimmte Zeit aus.. Es gibt so einen lustigen Spruch: „Glück ist wie Furzen: Wenn man es erzwingt, wird’s scheiße.“ Genauso ist es mit der Kreativität oder den Ideen. Wenn man es erzwingt, wird’s Kacke oder eben eine Verstopfung. Das Resultat ist dasselbe: Frust!
  2. Sackgasse – Plotten ist nicht so mein Ding. Schreibe ich meine Geschichte in Stichpunkten auf, ebne ich mir den Weg in eine Schreibblockade. Ich brauche die Freiheit, das leere Blatt, um kreativ zu sein (während genau das für andere der Auslöser für eine Blockade ist). Dennoch passiert es sehr häufig bei einer Rohfassung, dass man so vor sich hinschreibt, ohne zu bemerken, dass man in eine Sackgasse gelaufen ist. Am Ende saß ich dann vor dem neuen Kapitel und wusste nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Ich hatte nicht bemerkt, dass ich mich mit dem Ende des vorletzten Kapitels bereits in eine Blockade geschrieben hatte. Oft entsteht sie also einfach dadurch, dass etwas im Plot nicht richtig passt. Die Geschichte fühlt sich plötzlich an wie ein großer Knoten, den man zu entwirren versucht, ohne wirklich die Stelle mit dem Fehler zu finden. Ein vor und zurück scheint unmöglich.

Der Autor des Wikipedia-Artikels war so lieb und zählt noch weitere Ursachen auf:

  1. Eine innere Auflehnung gegen die Anforderung
  2. Fehlende oder unzureichende Konzepte
  3. Anspruch, sofort einen perfekten Text zu schreiben
  4. Texte mit komplizierten Erzählstrukturen
  5. Unordnung des zu verschriftlichenden Materials
  6. Versagensangst oder Angst, sich zu blamieren
  7. Fehlende Routine
  8. Psychische Erkrankungen

Was diese Schreibblockaden mit uns machen, muss ich, glaube ich, nicht detailliert ausführen. Frust und Zweifel an dem eigenen Können sind häufig die Folge und resultieren im Fortbestehen der Blockade.

Gibt es die denn jetzt wirklich?

Was ist sie denn nun, die Schreibblockade? Ist sie doch ein Mythos? Es gibt Autoren, die sind überzeugt, dass es sie gibt. Andere halten dagegen. Sie glauben nicht daran, finden sogar, dass es faule Ausreden sind. Bei meiner Recherche bin ich auf den Artikel von Tim Müßle gestoßen. Er vertritt die Meinung, dass es eine Schreibblockade nicht gibt: „[…] nicht in dem Sinne einer mystischen, unerklärlichen und nur durch außergewöhnliche Genialität zu überwindenden Blockade.“ Für ihn gibt es nur „[…] einen Autor, der sich einem Thema von der falschen Seite genähert, nicht genügend recherchiert oder einen kreativen Durchhänger hat.“ Allgemein ist die Schreibblockade ein großes Thema bei vielen Autoren, auch bei den ganz berühmten! Auf Wikipedia wird sie mit einer „Fehlfunktion des Hirnlappens“ in Verbindung gebracht. „Oh Gott, ist das heilbar? Oder muss ich den Traum des Schreibens  für immer begraben? Habe ich mein Gehirn kaputt gemacht?“ Bevor hier jetzt der ein oder andere mit Schnappatmung vom Schreibtischstuhl fällt, einmal tief durchatmen! Es gibt eine Lösung, sogar ganz viele! Einfach weiterlesen.

Wie kann ich sie lösen?

Schreibblockade Mythos oder Wahrheit Storyvents LiteraturagenturDa das Internet voll von Tipps gegen Schreibblockaden ist, kann ich euch wahrscheinlich nichts Neues erzählen, aber dennoch habe ich in der folgenden Aufzählung ein paar Lösungen für euch, die mir persönlich sehr gut helfen.

  1. Pause – Oft sitzt man schon zu lange an einem Text. Einem geht die Luft aus oder man sieht das Problem nicht mehr. Mir helfen Pausen. Ob für ein paar Stunden oder sogar Tage, das ist immer abhängig von der Situation.
  2. Spaziergänge – Aufstehen und einfach mal in die Natur. Das klärt den Kopf, ordnet die Gedanken.
  3. Inspiration suchen – Ob, wie oben genannt, Spaziergänge oder Musik hören, sich anderweitig kreativ beschäftigen, neue Orte besuchen: Es gibt viele inspirierende Beschäftigungen.
  4. Duschen oder Baden – Hört sich vielleicht bescheuert an, aber die Dusche hat bei so manchen Blockaden und Plotholes wahre Wunder bewirkt. Man kann ganz herrlich über die Geschichte nachdenken und Probleme erkennen.
  5. Den Fehler finden – Oft ist eine unlogische Stelle oder ein nicht ausreichend ausgearbeiteter Plot die Ursache, dass es irgendwie nicht mehr mit dem Text weitergeht. Da hilft nur eines: Den Fehler finden.
  6. Schreiben – Hä? Ich habe eine Schreibblockade und soll das tun, was ich gerade nicht kann? Ja, genau. Oder wie Dori aus ‚Findet Nemo‘ sagen würde: „Einfach schreiben, einfach schreiben. Einfach schreiben, schreiben, schreiben.“ Okay, Spaß beiseite. Dabei geht es nicht darum, einen hochwertigen Bestseller zu schreiben. Man sollte sich einfach auf etwas anderes konzentrieren. Eine andere Geschichte, ein anderes Genre, Gedichte oder totalen Quatsch.
  7. Aussitzen – Manchmal blieb mir nichts anderes übrig, als die Blockade an meinem Dokument auszusitzen. Ich habe es so lange angestarrt und gegrübelt, geschrieben und gelöscht, bis ich wieder den richtigen Weg gefunden habe. Es hilft, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen.
  8. Gespräche – Ob man es nun seinem Duschkopf, Freunden oder Autorenkollegen erzählt: Oft löst sich das Problem von ganz alleine, wenn man einfach nur darüber spricht.
  9. Routine – Ganz ehrlich: Seitdem ich meine festen Schreibzeiten habe, hatte ich seltener eine Blockade, als noch vor einigen Jahren, in denen ich geschrieben habe, wann mir der Sinn danach stand. Mehr über Schreibroutinen könnt ihr in einem anderen Blogartikel ‚Routine und Fokus beim Schreiben‘ lesen.
  10. Aufgeben – Das ist jetzt eigentlich genau das, was ich niemals raten würde. Aber wenn wirklich gar nichts hilft, dann muss man ein Projekt loslassen. Das heißt nicht, dass man das Autorendasein aufgibt oder das Buch oder die Kurzgeschichte für immer begräbt. Nein, das würde ich niemals empfehlen. Es kann passieren, dass man am Anfang für eine Idee gebrannt hat und das Feuer nach und nach kleiner geworden ist. Das passiert! Jedem von uns. Ich glaube, diese verstaubenden Manuskripte in unseren Schubladen machen uns doch erst zu richtigen Autoren. Dennoch rate ich davon ab, leichtfertig ein Projekt hinzuschmeißen. Es lohnt sich immer, etwas Schweiß und Blut zu investieren.

Natürlich habe ich in der #writingcommunity nach Tipps und Tricks meiner Kollegen und Kolleginnen gefragt und liste sie hier auf:

  • Schreibblockade überwinden

    Sich etwas Gutes tun (Essen, spazieren gehen, Serie gucken)
  • Entspannen und Musik hören
  • Ein Buch im gleichen Genre lesen
  • Powernap
  • Kaffee
  • Eine sinnlose Geschichte schreiben
  • Gründe für die Blockade suchen
  • Deadlines setzen
  • Wald- und Meerspaziergänge
  • Szenen schreiben, die nichts mit dem aktuellen Projekt zu tun 
  • Reisen
  • Weiterschreiben
  • Moodboards anlegen (Pinterest)
  • Gespräch mit Kollegen und Kolleginnen suchen
  • Joggen/Sport
  • Frust herausschreiben
  • Eine Schreibpause einlegen

 

Die meisten Vorschläge bezogen sich tatsächlich auf das Spazierengehen, Musik hören und Pausen machen. Das sind natürlich alles Tipps, die für den einen funktionieren, für jemand anderen aber niemals in Frage kommen würden. Probiere verschiedene Dinge aus, und finde das, was dir gut tut.

Fazit

Ob es sie nun wirklich gibt oder nicht: Es gibt Tage im Leben eines Autors oder eines Kreativen, da läuft es nicht so rund. Es kann ja nicht immer bergauf gehen. Wichtig ist, dass wir uns mit dem Problem auseinandersetzen und versuchen, uns durchzubeißen. Weiterhin ist es immer gut zu wissen, dass wir nicht alleine sind. Jeder hat dieses Problem. Doch ich hoffe, dass dieser Artikel euch eine Hilfe war. Gemeinsam können wir der Schreibblockade in den Ar… Allerwertesten treten.


Laura Nieland, 1992 geboren, schreibt seit jungen Jahren leidenschaftlich gern Geschichten. Momentan arbeitet sie an ihrem Debütroman. Sie durfte bereits einige Kurzgeschichten und Blogartikel veröffentlichen. Auf Instagram ist sie unter laura_schreibt zu finden.

Lektorat des Beitrags: Siiri Saunders