Autorentipps Wie man ein Buch schreibt„Bringen Sie es zu Papier. Wagen Sie etwas. Es mag schlecht sein, aber es ist die einzige Möglichkeit, etwas Gutes zustande zu bringen.“ – William Faulkner (1897 – 1962), US-amerikanischer Schriftsteller

Viele Bücher werden geschrieben, viele werden veröffentlicht. Viele Geschichten werden begonnen, viele werden nie zu Ende gebracht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Aber wenn wir mal darüber nachdenken, haben wir doch alle diesen einen Manuskriptberg, der in irgendwelchen Schubladen vor sich hin staubt, in der Hoffnung, dass man ihn eines Tages doch noch bewältigen wird. Hier mal ein fünf einfache Tipps, wie man ein Buch bis zum letzten Wort schreibt:  

1. Höre nicht auf zu schreiben!

„Meine Texte sind mittelmäßig, aber meine Überarbeitungen sind spitze.“ – David Ogilvy (1911 – 1999), britischer Werbetexter Aller Anfang ist schwer.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Oftmals habe ich mit dem Gedanken gespielt, ein Projekt abzubrechen. Mich erfasste diese Verzweiflung, als ich die Wörter, die aus meiner Feder stammten, noch einmal gelesen habe. Plötzlich fühlte sich jedes Wort an, als sei es fehl am Platz. Wir sollten die Erwartung, dass wir einen perfekten ersten Entwurf schreiben, beerdigen. Der Text ist roh und besteht zunächst nur aus einem Gedankengerüst. Sätze sind noch nicht ausformuliert, Beschreibungen sind nicht passend. Die Charaktere besitzen noch nicht genug Tiefe und warum zum Teufel ist da diese unlogische Stelle, in der der Protagonist erst auf einem Stuhl und im nächsten Moment auf dem Dach eines Hochhauses sitzt? Das ist alles vollkommen okay und normal! Erinnere dich daran, dass nichts, was du schreibst, in Stein gemeißelt ist. Du kannst alles ändern, schöner machen. Schreiben ist nicht diese romantische Vorstellung über einen Autor, der ein paar Stunden über einem Stapel Papier sitzt, einige Wörter schreibt und dann vollends zufrieden ist. Was viele nicht sehen (wollen) ist, dass das Schreiben ein Handwerk ist. Harte Arbeit, die viel Hingabe und den stetigen Willen sich zu verbessern erfordert. Das nächste Mal, wenn du einen krummenSatz liest, dann zucke mit den Schultern und denk daran, dass du ihn jederzeit ändern kannst. Dein Buch ist eine Raupe, die sich durch deine Hilfe in einen wunderschönen Schmetterling verwandeln wird.  

2. Schau nicht zurück!

„Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ – Mark Twain (1835 – 1910), amerikanischer Schriftsteller

Nichts ist lähmender, als immer wieder das letzte Geschriebene, während des (fließenden) Schreibprozesses, noch einmal zu lesen und zu überarbeiten. Nein! Schau nicht zurück! Schau nach vorne! Richte deine Augen auf das nackte Papier, nicht das, was du schon mit Worten getränkt hast. Das ständige Zurückspringen zu den unmittelbar geschriebenen Sätzen ist nicht nur ein Zeitfresser, sondern auch ein Motivationskiller! Versuche zunächst, deinen Roman vollständig niederzuschreiben, bevor du jeden Satz umdrehst und gerade biegst. Oftmals löscht man im Nachhinein ganze Szenen. Ärgerlich, wenn du eine Stunde über einem Satz gekauert hast, der letzten Endes in die Mülltonne fliegt. Später ist noch genug Zeit.  

3. Schau nicht nach links und rechts!

 „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ – Soren Kierkegaard (1813 – 1855), dänischer Philosoph, Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller  

Wenn es eine krankhafte Eigenschaft gibt, die jeder Mensch besitzt, dann ist es dieses permanente Verlangen, sich immer mit anderen zu vergleichen. Andauernd. Wir lesen ein Buch und vergleichen Inhalt, sowie Stil mit unserem (unlektorierten!) Geschriebenen. Wir vergleichen den Textauszug einer Kollegin im Internet. Dabei merken wir oft gar nicht, dass wir unseren rohen Text mit einem fertig lektorierten und korrigierten Buch vergleichen. Das ist Wahnsinn. Natürlich fühlen wir uns dann schlecht. Wir müssen verstehen, dass unser Stil und unsere Geschichte so individuell und besonders sind wie wir selbst.  

4. Ratgeber – Der heilige Gral?

 „Neue Wege entstehen, indem wir sie gehen.“ – Friedrich Nietzsche (1844 – 1900), Philosoph

Ich glaube, es gibt kaum einen Autor, der nicht mindestens einen Schreibratgeber in seinem Bücherregal stehen hat. Das ist auch okay so. Es gibt viele tolle Ratgeber. Besonders hilfreich, wenn man den Austausch mit anderen Autoren nicht hat. Dennoch stehe ich Ratgebern auch kritisch gegenüber. Sie beschreiben lediglich einen Weg, den jemand anderes gegangen ist. Aber das bedeutet nicht, dass ich diesem Pfad folgen muss oder dass dieser gar zu mir passt. Es gibt so viele verschiedene Wege von der ersten Fassung über das fertige Manuskript bis hin zur Veröffentlichung. Wir sollten den Straßen folgen, die sich für uns gut anfühlen, auf denen wir uns gut und nicht verloren fühlen. Und manchmal müssen wir den Mut aufbringen, ausgetrampelte Pfade zu verlassen und einen neuen Weg zu schaffen.  

5. Höre nicht auf die Zweifler

„Es ist besser, sich mit Leuten abzugeben, die besser sind als man selbst. Wähle dir einen Kompagnon, dessen Verhalten besser ist als deines und du wirst dich ihm anpassen.“ – Warren Buffett (1930 bis heute), Unternehmer

Ich bin überzeugt, dass jeder Autor schon einmal auf diese eigenartige Spezies Mensch gestoßen ist, die ich im Folgenden beschreiben werde. Man erkennt sie an Sätzen wie: „Autor sein ist doch kein richtiger Beruf“, „Das schaffst du nie“, „Du kannst doch gar nicht schreiben“, „Mach‘ etwas Vernünftiges“, „Damit verdienst du aber nichts.“ Oft fühlt man sich wieder wie das Kind, das wir einst waren, das verzweifelt versucht, das Traumschloss vor den zerstörerischen Kanonenkugeln zu schützen. Lerne, diese Sätze von dir abprallen zu lassen. Du kannst stolz auf das sein, was du da schaffst. Oft sind diese Menschen neidisch. Auf dich, auf deinen Traum, deinen Mut, diesen Traum wahr zu machen.  

6. Durchhalten

„Man braucht gute Nerven, um Schriftsteller zu werden.“ – Margaret Atwood (1939 bis heute), kanadische Schriftstellerin und Dichterin  

Schreibblockaden, Selbstzweifel, Absagen. Als Autor braucht man eines: Nerven aus Stahl. Seltsamerweise sind die meisten Autoren und Autorinnen, die ich kenne, die zartbesaitetsten Wesen auf diesem Planeten. Aber auf dem Weg zum fertigen Buch gibt es so manche Hürde. Meistens hilft nur eines: Durchbeißen! Lass dich von Rückschlägen nicht bremsen, mach immer weiter! Ein Buch zu beenden ist nicht immer leicht. Besonders der Weg zum Debütroman ist oft der steinigste, weil man auf dieser Reise so vieles dazulernt. Aber es wird leichter. Hör nur nicht auf zu schreiben. Deine Geschichte möchte gelesen werden, deine Stimme will gehört werden. Schreib – das – Buch – fertig. Jetzt!


Laura Nieland, 1992 geboren, schreibt seit jungen Jahren leidenschaftlich gern Geschichten. Momentan arbeitet sie an ihrem Debütroman. Sie durfte bereits einige Kurzgeschichten und Blogartikel veröffentlichen. Auf Instagram ist sie unter laura_schreibt zu finden.