Ernest Hemingway hat es getan, Franz Kafka, Wolfgang Borchert, Oscar Wilde und Stephen King auch…

Sie alle haben Kurzgeschichten geschrieben und veröffentlicht. Diese Prosaform ist großartig, besonders, wenn man nicht viel Zeit zum Lesen findet. Sozusagen der schnelle Lesespaß für zwischendurch.

Doch nicht nur das Lesen macht Spaß. Auch das Schreiben bereitet Vergnügen und bringt sogar einige Vorteile mit sich. Sie helfen uns, in Übung zu bleiben, uns zu verbessern und wir können Kurzgeschichten sogar veröffentlichen, sei es im Rahmen von Anthologien, im Internet oder als Buch im Selfpublishing. Besonders für Neulinge ist das die Gelegenheit, die Bibliographie zu füllen.

Storytelling Kurzgeschichten

Die Vorteile von Kurzgeschichten

Wenn du an deinem Roman arbeitest, vergehen oft Wochen, Monate, wenn nicht sogar Jahre, bis du das erste Feedback erhälst. Ein Roman erfordert jede Menge Zeit, Nerven, Schweiß und Blut. Natürlich sollten wir Kurzgeschichten nicht unterschätzen. Auch die können eine Menge Arbeit sein, schließlich muss auch hier der Plot stimmen, die Charaktere sollen Tiefe besitzen und irgendwo, zwischen den wenigen Seiten, wird Gefühl und Spannung erwartet.

Seine Geschichte auf wenige Seiten zu komprimieren ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Dennoch ist eine Kurzgeschichte schneller geschrieben, als ein Roman und der Veröffentlichung oder Zusendung zum Testleser folgt prompt ein Feedback. Das ermöglicht dir Schwächen aufzudecken, an denen du arbeiten kannst.

In Kurzgeschichten Stile ausprobieren

Kritik ist aber nicht das einzige Argument, warum sich Kurzgeschichten lohnen. Du kannst dich nach Lust und Laune austoben, dich ausprobieren, verschiedene Stile/Perspektiven anwenden und dich in fremden Genres austoben. Das hilft dabei, zu erkennen, was für dich funktioniert und was nicht. Kurzgeschichten sind eine effiziente Methode, um im Schreibfluss zu bleiben, wenn zum Beispiel gerade kein größeres Projekt ansteht.

Und für die Autoren unter euch, in deren Bibliographie noch gähnende Leere herrscht: Schreibt eine Kurzgeschichte und veröffentlicht sie. Ihr sammelt nicht nur eure ersten Erfahrungen mit Verlagen, sondern pimpt auch eure Bibliographie. Außerdem gibt es doch nichts Besseres, als die erste eigene Geschichte auf Papier abgedruckt zu sehen. Ein schönes Gefühl, oder?

Natürlich wird nicht jede Kurzgeschichte, die du einsendest, veröffentlicht. Du wirst dich leider auf eine Menge Absagen einstellen müssen. Jetzt denkst du vielleicht: „Hä, was hat das bei den Vorteilen zu suchen?“ Aber betrachte es von der positiven Seite: Du lernst damit umzugehen. Mit jeder Absage, die dir eigentlich den Wind aus den Segeln nehmen sollte, wirst du stärker. Du lernst dazu, bekommst vielleicht Kritik, warum es nicht geklappt hat. Das ist immer eine Chance sich zu verbessern, die Segel neu zu setzen. Kurzgeschichten können dich auf den Ernst des Autorendaseins vorbereiten.

Außerdem können sie dir Türen und Möglichkeiten eröffnen, deine Schreibkarriere in eine neue Richtung lenken. Davon ist auch Kerstin Brömer überzeugt. 2014 hat sie über die Veröffentlichung von Kurzgeschichten (schwerpunktmäßig in Foren) geschrieben.

Kurzgeschichten veröffentlichen – aber wo?

Wenn du jetzt denkst: „Ja, ja, ist alles schön und gut, was du da erzählst, aber wo soll ich den Krempel denn jetzt veröffentlichen?“ Dann verzweifle nicht! Lies weiter, denn inzwischen gibt es jede Menge Möglichkeiten, seine Kurzgeschichte zu veröffentlichen:

Foren

Es gibt viele Foren, in denen man sich anmelden und seine Kurzgeschichte veröffentlichen kann. Du kannst dich mit anderen Usern austauschen, deren Geschichten lesen. Auf Feedback musst du auch nicht lange warten.

Kostenlose (E-Book) Plattformen

WattPad, Sweek etc. sind Plattformen, bei denen du ebenfalls deine Geschichten hochladen kannst. Auch hier können deine Leser ein Feedback abgeben. Bei Sweek gibt es regelmäßig Wettbewerbe für Mikrofiktion, aber auch größere Wettbewerbe, bei denen man einen Verlagsvertrag gewinnen kann. Reinschauen lohnt sich.

Anthologien

Es gibt viele Wettbewerbe und Ausschreibungen, die dir die Möglichkeit geben, deine Kurzgeschichte in einer Anthologie zu platzieren. Diese Ausschreibungen findest du auf Webseiten wie Autorenwelt, Leselupe, Wortmagier, das deutsche Schriftstellerforum und noch viele weitere. Du kannst auch bei Förderungen mitmachen, wo du die Möglichkeit hast, Stipendien zu gewinnen oder mit Geld dotierte Preise (hier ist die mediale Aufmerksamkeit auch etwas höher).

Es ist üblich, dass ein Thema bei gewissen Ausschreibungen vorgegeben wird. Das kann seine Vor- und Nachteile haben, nicht jedes Thema lässt die Inspirationsquelle übersprudeln. Du wirst sehen, dass dir manche Themen sofort liegen, während bei anderen gähnende Leere im Kopf herrscht. Dass ein großer Verlag Ausschreibungen schaltet, ist leider selten. Publikumsverlage fragen direkt ‚ihre‘ Autoren an. Aber ob nun Klein- oder Publikumsverlag: eine Veröffentlichung ist immer etwas, worüber du dich freuen kannst. Allerdings gibt es eine kleine Warnung! Dazu später mehr.

Zeitschriften

Es gibt jede Menge Literaturzeitschriften, die ebenfalls Kurzgeschichten oder auch Essays veröffentlichen. (Hier ist die Themenwahl meistens frei). Auch hier sind die Anforderungen an die Texte nicht zu unterschätzen, schreibt Sylvia Englert in ihrem „Autorenhandbuch“

Storyvents Kurzgeschichten Magazin

Selfpublishing

Books on Demand (BoD) hat den Trend, Bücher über das Smartphone zu lesen, erkannt und daraufhin E-Short entwickelt – ein E-Book für Kurzformate. Hier könnt ihr eure Kurzgeschichte für eine einmalige (minimale) Gebühr veröffentlichen und sie so Lesern kostenlos oder für einen kleinen Preis zur Verfügung stellen. Dieses Format ist ebenfalls für Fortsetzungsromane oder journalistische Arbeiten geeignet und soll dabei helfen, die Reichweite und Bekanntheit zu erhöhen. Wer nicht über BoD gehen möchte, kann auch über Amazon und weiteren Plattformen publizieren.

Die Nachteile von Kurzgeschichten

Natürlich ist nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen … mal ehrlich? Ist es das irgendwo im Leben? Wer jetzt denkt, er kann mit Kurzgeschichten die dicke Kohle machen, liegt wohl eher falsch. Verlage, die Anthologien veröffentlichen, schütten meist wenig bis gar kein Honorar für Kurzgeschichten aus. Und wenn, dann wird es zwischen allen Autoren aufgeteilt. Ihr solltet allerdings darauf achten, dass ihr zumindest ein Belegexemplar und / oder Autorenrabatt bekommt.

Wie auch bei der Verlagssuche, gilt auch bei Ausschreibungen: Obacht! Auch hier gibt es einige schwarze Schafe. Bedenkt bitte, dass NIEMALS … N I E M A L S … !!!! Geld vom Autor zum Verlag fließen darf! Noch einmal: NIEMALS! Auch die gemeinen Druckkostenzuschussverlage sind unter Ausschreibungen zu finden. Bitte, bevor ihr eure Kurzgeschichte abschickt: Informiert euch über den Verlag und sobald Geldforderungen ins E-Mail-Postfach flattern: Finger weg! Eine Geldforderung bei Kurzgeschichten muss nicht hoch sein. Aber, wenn der Verlag eine Mindestabnahmemenge vorschreibt, um den Druck der Anthologie sicherstellen zu können, gilt das gemeinhin als unprofessionell und unseriös. Achtet ebenfalls auf die Verträge. Auch hier können sich unseriöse Klauseln einschleichen.

Vorsicht vor Druckkostenzuschussverlagen

Das Problem mit oben genannten Verlagen ist, dass meist nicht nur die Qualität der Texte schlecht ist (kein Lektorat, es wird fast jeder Text genommen), sondern, dass eine Veröffentlichung in einer Bibliographie schlecht bewertet werden könnte, wenn du dich damit bei Verlagen vorstellst.

Storyvents Kurzgeschichten Achtung Druckkostenzuschussverlag

Ich persönlich finde es verwerflich. Es gibt leider noch immer hoffnungsvolle Menschen, die auf solche Angebote hereinfallen. Aber jemanden dafür zu verurteilen, ist meiner Meinung nach, schäbig. Wir machen schließlich alle Fehler, fangen klein an und sammeln gute, wie schlechte Erfahrungen. Also haltet bitte die Augen auf.

Ein weiterer Nachteil bei Anthologien ist, dass du häufig kein Feedback zu deiner Geschichte erhälst. Der Grund ist häufig der Zeitmangel der Verlage. Entweder du wirst genommen oder nicht. Das ist natürlich schade, da du in diesem Fall nicht aus deinen Fehlern lernen kannst. Deswegen ein Rat: Schickt eure Texte an mindestens einen Testleser (nicht Mami, Papi, Omi oder beste/n Freund/in). Je besser sich deine Geschichte entwickelt, desto höher sind die Chancen, dass sie veröffentlicht wird. Ich habe mich früher nie getraut, einem Fremden meine Texte anzuvertrauen, deshalb habe ich zum Teil katastrophale Geschichten eingereicht, darüber schüttle ich immer noch den Kopf.

Noch ein Nachteil ist, dass der Umfang der Geschichten auf eine maximale Zeichenanzahl beschränkt ist. Manchmal muss man eine Kurzgeschichte in weniger als zehn Seiten beenden. Das ist nicht leicht. Aber auch hier ergibt sich ein positiver Lerneffekt: Wir beginnen, überflüssige Füllwörter zu entfernen, lernen den Kern unserer Geschichte herauszuarbeiten, knapp, aber dennoch anschaulich geschrieben.

Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass die Vorteile des Kurzgeschichten-Schreibens und Veröffentlichens überwiegen. Wir können so viel mitnehmen und lernen. Ich finde, dass es die Gelegenheit ist, Erfahrungen zu sammeln, aus Fehlern zu lernen und sich und sein Schreiben weiterzuentwickeln. So, jetzt habe ich eine ganze Menge über Kurzgeschichten gesprochen. Jetzt bist du dran. Auf, auf! Schreib deine eigene. Hau in die Tasten bis die Finger glühen.


Laura Nieland, 1992 geboren, schreibt seit jungen Jahren leidenschaftlich gern Geschichten. Momentan arbeitet sie an ihrem Debütroman. Sie durfte bereits einige Kurzgeschichten und Blogartikel veröffentlichen. Auf Instagram ist sie unter laura_schreibt zu finden.