Es gibt Autoren, die warten bis sie Muse haben, um zu Schreiben, andere schwören auf eine feste Routine. Früher habe ich geschrieben, sobald mir der Sinn danach stand. Ich habe mich von meiner Inspiration mitreißen lassen, war sie nicht da, habe ich auch nichts zu Papier gebracht. Heute bin ich Mama, meine Zeit ist damit begrenzt.

Mit den engen Zeitfenstern und dem Rhythmus im Alltag kamen die Schreibroutinen. Jetzt kann ich nicht mehr ohne. Sobald mein Sohn im Bett liegt, zieht es mich automatisch zu meinem Laptop. Früher hätte ich auf der Couch gelegen und gesagt: „Ach, jetzt habe ich keine Lust, ich mache es gleich.“ Aber mit der Einstellung schreibt man kein Buch … oder eben sehr langsam.  

Die Vorteile einer Routine

Routinen haben den Ruf, dass man sich in Ritualen festfährt und sich außerhalb der ausgetrampelten Pfade nicht mehr zurecht findet. Na ja … oder Routinen sind einfach langweilig. Gewöhnst du dir eine schlechte Routine an, wie zum Beispiel in deiner Mittagspause den Newsfeed in Instagram zu checken, anstatt die halbe Stunde zum Schreiben zu nutzen, dann kann das durchaus negativ betrachtet werden, wobei es immer eine Sache persönlicher Präferenzen ist. Allerdings sollten wir nicht vergessen, dass wir mit der Nase auf dem Smartphone nicht voran kommen.  

Allgemein geben Routinen uns Sicherheit, einen Rhythmus auf den wir uns verlassen können. Sie strukturieren den Alltag und sorgen für mehr Organisation. Weiterhin habe ich bei mir selbst festgestellt, dass ich viel effizienter arbeite, seitdem ich feste Routinen entwickelt habe. Mein Kopf weiß in diesem Moment, worauf er sich einstellen muss und schaltet in den Schreibmodus. Dadurch sind meine Projekte schneller vorangekommen, verglichen zu der Zeit, als ich unregelmäßig geschrieben habe.

Ein weiterer, wesentlicher Vorteil, den ich in einem Stern-Artikel gefunden habe, ist, dass Gewohnheiten unsere Fähigkeiten festigen. Begabungen verkommen, wenn sie nicht durch Regelmäßigkeit immer wieder ausgeübt werden, um sie im Kopf zu speichern. Dies beläuft sich auf die Hebb’sche Regel. Der 1985 verstorbene kanadische Psychologe Donald Hebb lehrte, dass es die Verbindung zwischen Nervenzellen stärkt, wenn diese Bahn wiederholt genutzt wird. Bleibt diese sich wiederholende Aktivierung aus, verkümmert die Leitung.

Du kennst es vielleicht, wenn du längere Zeit nicht geschrieben hast. Der Schreibfluss ist zäh, die Worte kommen nur langsam in den Sinn und der Stil ist auch nicht derselbe, im Vergleich zu Zeiten, in denen du regelmäßig schreibst.

Eine Schreibroutine entwickeln. Aber wie?

Natürlich hat jeder auch einen schlechten oder stressigen Tag. Irgendwie ist man müde, der Tag war lang und man hat keine Lust sich jetzt noch für ein paar Stunden an den Laptop zu setzen, also verschiebt man es. Das ist auch vollkommen menschlich und in Ordnung. Doch sobald diese Handlung eine Regelmäßigkeit findet, ist es nur noch eine schlechte Angewohnheit.

Aber wie entwickelt man denn nun eine Routine?

Leider ist es viel schwerer eine positive Routine zu etablieren, als die schlechte Gewohnheit abzulegen. Wir Menschen gehen gerne den bequemen Weg. Deshalb braucht die Routine, besonders am Anfang, immer Disziplin. Jeder kann eine Schreibroutine in seinen Alltag integrieren, sei es eine halbe Stunde oder sogar eine einfache Schreibübung von einigen Minuten. Wichtig ist, dass man es regelmäßig macht, bis es sich zu einer Selbstverständlichkeit entwickelt.

Als allererstes benötigt man eine Motivation: Warum schreibe ich? Was will ich damit erreichen? Hast du sie? Super!

Jetzt brauchen wir nur noch einen Trigger, einen Auslöser. Anstatt dich direkt auf die Couch zu setzen, nachdem du von der Arbeit kommst, setzt du dich an den Schreibtisch, klappst deinen Laptop auf und beginnst zu schreiben. Anschließend folgt eine Belohnung. Das kann ein Schokoriegel sein oder auch einfach der Wordcount, den man geschafft hat. Diese Handlungen müssen zur Gewohnheit werden. Wie gesagt, es erfordert Disziplin. Aber mit der richtigen Motivation, schaffst du es auf jeden Fall.

Fokus beim Schreiben

Um effizient zu arbeiten, ist, neben der Routine, der Fokus während des Schreibens sehr wichtig. Es gibt Tage, da fällt dir das Schreiben leicht. Die Geschichte geht flüssig von der Hand, die Finger fliegen über die Tastatur. Wenn du einmal im Flow bist, bist du voll auf dein Werk fokussiert.

Und dann gibt es Tage, da dehnt sich jedes Wort, zäh wie Kaugummi. Du kannst dich nicht konzentrieren und dein Wordcount ist nachher mehr als frustrierend. Du beginnst im Internet zu surfen oder mit deinem Handy zu daddeln. Oder aber das Handy ist der Grund für deine Konzentrationsstörung.

Ich kenne es selbst von mir. An manchen Tagen kann ich die Finger nicht davon lassen. Man bekommt eine Nachricht nach der anderen. Dann findet man eine interessante Seite auf Instagram und verplempert Stunden. Es ist schrecklich. U.S.-Forscher haben herausgefunden, dass Smartphones unsere Konzentrations- und Merkfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Die Studie hat ergeben, dass sich bereits die bloße Anwesenheit des Smartphones schlecht auf die Konzentration auswirkt. Allerdings gibt es gewisse Apps, die dir vielleicht dabei helfen können dich, zumindest für eine bestimmte Zeit, auf das Schreiben zu konzentrieren. Eine App, die ich sehr gerne benutze heißt Writeometer.

Nachdem du die App runtergeladen hast, richtest du deine Projekte ein. Man kann neue oder auch angefangene Projekte eintragen. Du musst deinen gewünschten Gesamtwordcount und dein tägliches Schreibziel eingeben. Mit dem Timer stoppst du die Zeit. Empfohlen wird eine Schreibzeit von 25 Minuten (bei einer zu langen Zeit, würde die Konzentration abnehmen). Nach jeder Schreibsession verdienst du dir virtuelle Guaven, die du dann für eine Belohnung einlösen darfst, zum Beispiel einen Keks (aber das ist nur Spielerei). Interessanter finde ich die Statistiken, die die App mit deinen Daten erstellt. So kannst du den Fortschritt deiner einzelnen Projekte, aber auch deine tägliche Schreibroutine beobachten.

Für mich persönlich funktioniert Writeometer sehr gut, da ich mich nicht nur super fokussieren kann, sondern auch motiviert bin, meine Schreibziele zu erreichen oder zu übertreffen.

Von anderen Autorenkollegen habe ich von der App Forest erfahren. Wie bei Writeometer stellt man einen Timer (auch hier empfohlene Arbeitszeit von 25 Minuten). In dieser Zeit wächst dann ein virtueller Baum. Benutzt du in dieser Zeit dein Handy, „verkümmert“ dieser. Mit jeder erfolgreich abgeschlossen Arbeitssession, pflanzt man seinen Wald. Was mir hier allerdings fehlt, ist die Möglichkeit seinen Wordcount zu kontrollieren.

Es gibt bestimmt noch mehrere Apps, die helfen sich zu konzentrieren. Aber seien wir mal ehrlich, manchmal hilft es auch einfach, das Handy in einem anderen Raum zu verwahren. Generell gibt es wahrscheinlich noch ganz andere Möglichkeiten, um sich besser konzentrieren zu können: Ein Spaziergang an der frischen Luft, an anderen Orten schreiben, Musik hören, genügend Trinken, kleine Pausen einlegen, etc. Die Liste geht endlos.

Wichtig ist, dass man eine Methode für sich selbst findet, um das Beste aus seiner Schreibzeit holen zu können. Denn wenn wir fokussiert schreiben, arbeiten wir effizient und gezielt.

Fazit

Abschließend möchte ich sagen, dass wir alle verschiedenen Routinen und Arten, um uns zu konzentrieren, nachgehen. Natürlich erfordert alles ein Stück Arbeit, meistens an sich selbst.  Aber genau dieses Opfer müssen wir für unsere Träume bringen. Für seine Ziele zu arbeiten, bedeutet manchmal, sich den – pardon für den Ausdruck – Arsch aufzureißen.

Eine ordentliche Routine, sowie Fokus während des Schreibens, können unsere Arbeit leichter machen.

Dennoch sollten wir nicht vergessen, dass wir keine Maschinen sind. Wir alle haben noch andere Verantwortungen, die unsere Energie beanspruchen. Also sollten wir uns nicht fertig machen, wenn wir uns mal jenseits unserer Routine bewegen und eine Pause machen, um durchzuatmen. Das ist schließlich auch wichtig!

Ich wünsche euch noch frohes Schreiben.


Laura Nieland, 1992 geboren, schreibt seit jungen Jahren leidenschaftlich gern Geschichten. Momentan arbeitet sie an ihrem Debütroman. Sie durfte bereits einige Kurzgeschichten und Blogartikel veröffentlichen. Auf Instagram ist sie unter laura_schreibt zu finden.